Hanse, Handwerk und Historie - Briloner feierten das Stadtfest der Nachbarstadt mit.

Erstellt am 31.08.2019

Von Kathrin Koppe-Bäumer

Medebach. Eine Woche vor dem Altstadtfest und sieben Monate vor den Internationalen Hansetagen in Brilon hatte der Heimatbund „Semper Idem“ zu einer Fahrt nach Medebach eingeladen. Wie Brilon gehört Medebach zur Westfälischen Hanse und feierte am vorletzten Augustwochenende drei Tage lang 875 Jahre Verleihung der Stadtrechte an Medebach. Einige der 40 Männer und Frauen aus Brilon trugen historische Gewänder. Selbst genäht in der aus Anlass der Hansetage gebildeten Gewandschneiderei. Sie trafen in Medebach Männer und Frauen, Jugendliche und Kinder, die im Gewimmel der festlichen Straßen ebenfalls altertümliche Kleidung trugen.

Die Medebacher zeigten, wie viel eine Stadt auf die Beine stellen kann. Eindrücklich war die Vorstellung historischer Persönlichkeiten: Reinald von Dassel, im 12. Jahrhundert Erzbischof aus Köln, der in Medebach Rechtsgrundlagen legte, trat auf. Propst Achim Funder steckte im historischen Kostüm. Auch Bürgermeister Thomas Grosche hatte sich einen Vorgänger ausgesucht. In der Rolle von Hermann Schmidt erzählte er, welche Last ein Bürgermeister zur Zeit des 30-jährigen Krieges tragen musste. Zur Augenfreude des Publikums hatte er seine „liebreizende Gattin“ mitgebracht, die aus ihrer Sicht die Arbeit des Bürgermeisters kommentierte. Der evangelische Pfarrer Uwe Steinmann trat als Josef Bauer auf, der von 1914 -1939 evangelischer Pastor in Medebach war und das Schulwesen reformierte.
Von einer gut funktionierenden Verstärkeranlage unterstützt, erzählten die Heutigen in den Rollen der Damaligen frei und mit leichtem Augenzwinkern, was sie in Medebach berühmt gemacht hat. Anschließend begrüßte Bürgermeister Grosche die Briloner Reisegruppe unter Leitung von Winfried Dickel, der wiederum die Medebacher zu den Hansetagen nach Brilon einlud.
Zu beiden Seiten der Innenstadtstraßen reihte sich Bude an Bude, eine Gruppe demonstriere, wie Frauen früher gewaschen haben, Handwerker machten die Arbeit von Dachdeckern und Steinmetzen vor. Vor dem Schuhladen war altertümliches Schusterarbeitsmaterial aufgebaut, ein historischer Feuerwehrwagen wurde durch die Straßen gezogen und eine Lokomotive der Kleinbahn Medebach-Steinhelle erstrahlte im geputzten Glanz. Im Stadtmuseum war die ganze Strecke mit einer Modelleisenbahn nachgebaut. Dort führten kundige Stadtführer die Besucher durch die Räume mit zahlreichen Ausstellungsstücken, die die vielseitige Geschichte der Stadt und ihrer Dörfer dokumentieren.
Wer sich an einem der Imbissstände niederließ, konnte kleine Festzüge beobachten, die durch das Publikum marschierten: ein historischer Hochzeitszug mit einer Braut im schwarzen Kleid, eine Reihe von Schützenkönigspaaren zogen vergnügt und verkleidet durch die Stadt, auch der alte Spritzenwagen kam zur Geltung. Andere Hansestädte stellten sich dar und alle Ortsteile Medebachs zeigten sich von ihrer typischen Seite. Auch die evangelische und katholische Kirchengemeinde beteiligten sich: Im Gemeindezentrum am Prozessionsweg konnten Ansichten von Medebach gemalt werden und Pfarrer Steinmann lud zum Singen ein. In der katholischen Kirche waren Stationen zu den „Perlen des Glaubens“ aufgebaut und meditative Chor- und Instrumentalmusik ließ das Festpublikum zur Ruhe kommen.
Die Briloner Gruppe konnte gelassen aus der Gastperspektive am Fest der Nachbarstadt teilnehmen. Bei ihnen weckte es Lust, im nächsten Jahr selbst Gastgeber zu sein.