Engel beherbergt und Weihnachtsfreude weitergegeben

Erstellt am 27.12.2018

Über 1000 Menschen in den Weihnachtsgottesdiensten

Brilon. Bis zum 23. Dezember wusste Gemeindeschwester Annika Siegel nicht, ob ihr Projekt sein Ziel erreichen würde: Kommen Maria und Josef im Koffer am Heiligen Abend in der Stadtkirche an? hat sie sich seit dem Ersten Advent immer wieder gefragt. Da hatte sie einen Koffer mit den gefilzten Puppen Maria und Josef und dem handgearbeiteten Esel losgeschickt. Ein Reistagebuch lag bei.

Jetzt mussten nur noch Briloner den Koffer von Tür zu Tür weitergeben. Am zweiten Advent stand Dorothee Wenken, ehemalige Herbergsmutter der Briloner Jugendherberge, nach dem Gottesdienst in der Kirche. Vier Tage hatte sie das Paar und seinen Esel beherbergt.  Jetzt suchtesie händeringend nach Gastgebern für den Adventskoffer. Im Reisetagebuch findet sich ihre Notiz an Maria: „Jetzt reicht es mir. Ich kann dich nicht weiterreichen. Alle sind so sehr mit Weihnachtsvorbereitungen beschäftigt. ;) Ich ja auch!“

Eine Konfirmandenmutter nahm ihr den Koffer dann ab. „Überfallartig bekam ich euch geschenkt“, schrieb sie später ins Büchlein. Beim Adventskaffee hat ihre Familie den Koffer ausgepackt: „Vielen Dank für dieses Erlebnis. Denn ihr, Maria und Josef, habt der gesamten Familie eine besondere innigliche Stimmung geschenkt“. Eine anderer Gastgeber schreibt: „Manchmal ist es gar nicht so leicht, jemand Fremden eine Heimat zu geben.“ Auch in Brilon müssen Herbergssuchende also öfter anklopfen, bis Türen sich öffnen und Menschen Zeit haben.  Die schriftlichen Kommentare bezeugen: Wer Zweifel überwunden und den Koffer angenommen hat, wurde  wider Erwarten beschenkt. Die Bibel fordert zu solchen Erfahrungen auf: Gastfrei zu sein, vergesst nicht, denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt. (Hebräer 13,2) Gemeindeschwester Annika Siegel ist froh, das Wagnis eingegangen zu sein. Sie hat dadurch Kontakt zu Gemeindegliedern bekommen und erfahren, dass es sinnvoll ist, Projekte mit ungewissem Ausgang zu wagen.

Zahlreiche und gut besuchte Gottesdienste

Am Heiligabend feierten mehr als 1000 Menschen die evangelischen Gottesdienste in Brilon mit. Das sind 25% der Gemeindeglieder.
Die Gemeinde hatte drei Krippenspiele angeboten. Weitere Gottesdienste wurden in der Stadtkirche, in Scharfenberg, Hoppecke, Gudenhagen und im Hotel am Kurpark gefeiert. Das Presybterium dankt den Teams, die die Krippenspiele vorbereitet und aufgeführt haben."Wir sind froh, dass Vikarin Antje Jäkel und die Schulpfarrer Roland Piontek und Werner Milstein Gottesdienste am 24. Dezember übernommen haben", blickt Pfarrer Rainer Müller zurück. "Auch die Musik war prima", ergänzt Pfarrerin Kathrin Koppe-Bäumer, "das Organistenteam, unterstützt von Ehemaligen, die Weihnachten in Brilon feiern, und der Gemeindechor cantamus, haben mit weihnachtlichen Melodien und Liedern Menschen in Bewegung gebracht". Für Brot für die Welt wurden in allen Gottesdiensten Heiligabend über 2000 Euro gespendet.
"Hunger nach Gerechtigkeit" - 60. Spendenaktion von Brot für die Welt: hier.