Lieder aus dem Herzen singen - „Gipfelstürmer“ aus Wachkoma-Oase und Altenzentrum bereichern den Besonderen Gottesdienst.

Erstellt am 27.10.2018

Brilon. „Jazz kommt aus dem Herzen und sprengt Grenzen“, eröffnet Pfarrer Rainer Müller den besonderen Gottesdienst im Oktober. Er bezieht sich auf die Briloner Jazznacht am Abend zuvor. Im Schulzentrum haben Kinga Glyk und Michael Wollny das Publikum begeistert. In der Kirche heizen die „Gipfelstürmer“ der Gemeinde ein. Mit Quatsch-Musik eröffnen sie ihr erstes Stück „Ein bisschen Spaß muss sein“. Sie rappeln mit den Rasseln, klappern mit den Klingeln, bearbeiten die kleine Trommel, schreien, klatschen und lachen laut. Sie haben Spaß und der überträgt sich auf die Gemeinde. Viele applaudieren nach dem Vortrag.
Der Pfarrer nimmt den Faden auf: „Diese Freude stellen wir unter Gottes Segen“ und erzählt: Beim Jazz habe er gelernt, auf die Zwischentöne zu achten, nicht nur der reine Ton sei wichtig, sondern auch sogenannte unsaubere dürften erklingen. Wie bei den „Gipfelstürmern“, einem gemischten Chor aus Bewohnern der Wachkoma-Oase und des Christophorus-Altenzentrums in Brilon-Gudenhagen.
Viel Mühe hat das Team sich gemacht, um Rollstuhlfahrer, Rollator-Nutzerinnen und Menschen, die das Alter langsam gemacht hat, mit Bus und PKW in die Stadtkirche zu bringen. Der Einsatz hat sich gelohnt: Gespannt und hoch konzentriert sitzen die Chormitglieder da. Alle geschmückt mit Tiroler Hüten. Sie warten auf die Einsätze, die die Musiktherapeutinnen Tanja Saßmannshausen und Petra Klompmaker unter Einsatz ihres Körpers und mit der Gitarre lebhaft geben.
Zwischen den Gesangstücken von Chor und Gemeinde plädiert Müller für ein offenes Verhältnis zu Musik im Gottesdienst. Ihm sei wichtig, Lieder zu singen, die Generationen verbinden und niemanden ausschließen. Mit seiner Liedauswahl hat er den rechten Ton getroffen: „Die Gedanken sind frei“ wird von Kay Piepenbrink eröffnet, die Chorsänger summen mit. Das war nicht geprobt. Das kam aus dem Herzen.
„Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“ singt der Chor und der Pfarrer erzählt biblische Kriminalgeschichten. Da geht es um Mord-und Totschlag, um übertretene Gesetze. Der Bibel ist nichts fremd. Sie erzählt auch von Träumen, die Menschen Kraft geben, Grenzen zu überschreiten. Gefährlich hingegen sei das Träumen am Steuer. Die „Gipfelstürmer“ singen: „Im Wagen vor mir sitzt ein junges Mädchen“. Diesmal gibt es auch einen Solopart. Sich in den Himmel zu träumen hingegen, ermöglicht das Reinhard Mey-Lied: „Über den Wolken“.
Mit luftiger Leichtigkeit führt der Pfarrer durch den Gottesdienst, vom Chor springt der Funke in die Gemeinde über. Am Ende sind alle dankbar für diesen Grenzen überschreitenden Gottesdienst. „Die „Gipfelstürmer“ kommen gerne wieder“, verspricht Petra Klompmaker nach dem Segen. KKB