Nach Hause kommen an Himmelfahrt

Erstellt am 11.06.2019

Von Monika Wiegelmann

Brilon. Munteres Vogelgezwitscher und der Geruch von frisch gemähtem Gras und Wald...Ein friedlicher Morgen in der frühlingshaft erblühten Natur an der Hiebammenhütte begrüßte rund 130 Besucher zum Open-Air-Gottesdienstes am Himmelfahrtstag.

 

Zum fünften Mal hatten die ev. Kirchengemeinden Brilon und Olsberg-Bestwig zu einem Gottesdienst unter freiem Himmel eingeladen. Besucher aller Generationen waren gekommen, darunter viele junge Leute und Kinder sowie auch Christen anderer Nationen. „Ich finde es super, dass der Wirt Jürgen Lüke jedesmal alles so schön vorbereitet“, freute sich Chorleiter Siegmar Paschkewitz, der mit sieben Musikern vom Bläserkreis Petrinum Brilon und dem Posaunenchor Olsberg die Andacht instrumental begleitete.

 

Die Vögel wurden etwas leiser und schienen den ungewohnten Klängen zu lauschen, als die Bläser „Dich rühmt der Morgen...“ anstimmten. Gleich drei Geistliche: Pfarrer Rainer Müller und Pfarrerin Kathrin Koppe-Bäumer (beide Brilon) und Pfarrer Burkhard Krieger (Olsberg-Bestwig) hießen Erwachsene, Kinder und sogar mitgebrachte Hunde willkommen.

 

Pfarrer Müller erzählte eine ungewöhnliche Himmelfahrtsgeschichte. Jesus bat Gott um einen freien Tag, um sich den Flughafen Hamburg anzusehen. Am Terminal 1 dachte er: „Das könnte ein Tempel sein, aber zu wessen Ehren?“ Am Check-In kam er mit Andreas ins Gespräch, der ihm erzählte, dass er sich sich schon lange auf den Urlaub mit der Familie gefreut hat. Leider gab es abends Streit mit seiner Frau, die ihm vorwarf, sich zu wenig um die beiden Kinder zu kümmern. Jesus dachte: „Wie schnell werden durch Streit alle Errungenschaften wirkungslos“, und stellte sich in die nächste Warteschlange. Da sah er Männer und Frauen ohne Schuhe, Männer in Uniform, es piepte. Nach dieser Kontrolle schienen alle erlöst, wie nach einer Beichte. Abends berichtete er Gott, dass alles sehr interessant war. Am besten habe ihm jedoch der Ankunftsbereich gefallen, wo die Menschen sich freuten, wenn sie mit Jubel und Fähnchen begrüßt wurden. „Es kam mir vor, wie meine eigene Himmelfahrt.“

„In der Geschichte geht es um das Nachhause kommen“, meinte Pfarrerin Koppe-Bäumer. „Es ist wunderbar, da anzukommen, wo man hingehört. Das versteht man unter Himmelfahrt“. Ebenso ungewöhnlich war der nachfolgende Dialog zwischen der Pfarrerin und Pfarrer Rainer Müller.: „Seitdem Du in Brilon bist, bist Du gedanklich immer am Bauen: an der Stadtkirche, am Gemeindezentrum und jetzt muss auch noch der Turm abgerissen werden. Warum hörst Du nicht auf zu bauen?“, fragte Kathrin Koppe-Bäumer ihren Kirchenkollegen und meinte, dass man doch wie hier auch alles habe. „Ich feiere auch gern im Freien Gottesdienst, aber ich finde die klimatischen Bedingungen nicht so reizvoll. Deshalb bin nicht für eine Open-Air-Kirche, aber für Open-Door“, antwortete Pfarrer Müller. Er sitze oft alleine in der Kirche „und versuche den Kirchenraum zu verstehen...wenn Steine sprechen könnten. Es geht mir nicht nur um das Dach über dem Kopf und die Reparatur schadhafter Stellen, es geht beim Kirchenbau auch um Kunst, Architektur und Menschen, die dankbar sind über die Kirche. Kirchen sind wichtige Orte. Menschen suchen sie auf zum Gottesdienst, zu Konzerten, aber auch zum stillen Gebet. Die Kirche erzählt von Menschen. Sie verbindet mit Gott, mit offenen Türen, mit Gemeinschaft.

Als Zeichen der Gemeinschaft wurden dann an alle Teilnehmer Brot und Trauben ausgeteilt und Gott gedankt für Brot und Früchte. Nicht vergessen wurde auch ein Dankeschön an alle HelferInnen und vor allem den Hüttenwirt, der wieder zahlreiche Tische und Bänke aufgestellt und dafür gesorgt hatte, dass die Wiese gemäht war. „Das ist total Klasse, dass der Wirt für uns alles so gut vorbereitet. Eine Win-Win Situation für alle“, freute sich Kathrin Koppe-Bäumer. Denn nach dem Gottesdienst nutzten viele gerne die Gelegenheit, sich in der Hiebammenhütte zu stärken. Und zwei kleine Kinder freuten sich über den Bach, aus dem sie bald triefnass herauskamen.