Warmer Bratschensound gegen klirrende Kälte - Jüdisch-christlicher Dialog mit Musik

Erstellt am 22.03.2018

Das begeisternde Duo. Bild: Marianne Rudolph

Unter Orchestermusikern erzählt man sich gerne Witze über Bratscher. Aber jeder wäre verstummt, der Semjon Kalinowsky mit seiner Bratsche von Johann Baptist Schweitzer aus dem Jahr 1817 beim Konzert „Shalom – Kirche trifft Synagoge“ zusammen mit seinen kongenialen Musikpartner Guy Poupart an der Orgel gehört hätte. Der ausgesprochen warme Klang der Bratsche erfüllte den Kirchraum. Die Konzertbesucher, die den Weg durch die klirrende Kälte gewagt hatten, wurden wohlig eingehüllt in die gemeinsamen Klänge. Orgel und Bratsche ergänzten sich in wunderbarer Weise. Und die beiden international tätigen hervorragenden Musiker hatten ein interessantes und berührendes Programm zusammengestellt.

Das Programm bildete einen interreligiösen Dialog ab. Angelehnt an die reichen Traditionen der christlichen Orgelmusik und der jüdischen Liturgie, hatten die Musiker die beliebten Repertoire-Klassiker mit den wertvollen, in Vergessenheit geratenen Werken, die sie infolge intensiver Forschung entdeckt hatten, zusammengestellt. Dabei schlugen sie auch eine Brücke zwischen Tradition und Moderne durch die Kompositionen von Ernest Bloch, Max Bruch, Alexandre Tansman und Louis Lewandowski.

An zwei Stellen wurde das Programm erweitert durch Liedbeiträge des Gemeindechores cantamus, am E-Piano begleitet von Kay Piepenbrink. Leiter Gerhard Eberbach hatte passend zur Musikauswahl der Instrumentalisten christliche Lobgesänge von Haydn und May und Psalmvertonungen von Felix Mendelssohn ausgewählt. Die gut auf den Chor abgestimmten Bearbeitungen fügten sich gut in den gelungenen künstlerischen Gesamteindruck des Konzertes ein.

Gerade auch in den Liedern des Chores zeigte sich noch einmal deutlich die große Nähe der jüdischen und christlichen Glaubenstraditionen im gemeinsamen Schatz der biblischen Psalmen. Es war ein gelungener und würdiger Beitrag in Brilon zum Schluss der Woche der Brüderlichkeit.Text: Rainer Müller