Besondere Gottesdienste in der Passionszeit

Erstellt am 17.03.2018

Zwei Hocker, zwei Schauspieler – in der Briloner Stkadtirche wurde die Gemeinde an den See Genezareth versetzt. Bild: privat

Jesu Klage und Jesu Freunde
Besondere Abendgottesdienste in der Passionszeit
Am dritten Sonntag im Monat findet in der Evangelischen Stadtkirche der Gottesdienst abends statt. Um 18.00 Uhr beginnt er und hat immer ein besonderes Thema. In der liturgischen Gestaltung sind Pfarrer, Pfarrerin, Mitarbeitende und Gäste frei.

Am Sonntag, 18. März kreist der zweite Abendgottesdienst in der Passionszeit in Worten und Musik um Psalm 22. Diesen Klagepsalm, der im Lob endet, kannte Jesus gut. Mit seiner Frage „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ beginnt das Gebet.

Einen Monat zuvor waren zwei Schauspieler zu Gast im Abendgottesdienst: Es genügen zwei Hocker, ein Brett. Im Lichtkegel der Scheinwerfer ziehen Tobias Wullff und Dominik Spies schnell die Aufmerksamkeit der Zuschauer auf den voll besetzten Bänken der Evangelischen Stadtkirche mit ihrem intensiven Spiel vor den Altarstufen auf sich. Die beiden haben sich 2015 beim Improvisationstheater kennengelernt und gehen nun mit ihrem ersten gemeinsamen Projekt auf Tour.
In den Rollen der beiden Brüder Andreas und Petrus erzählen und spielen sie die Erfahrungen der beiden Fischer aus Nazareth, deren Leben sich durch die Begegnung mit Jesus in ungeahnter Weise verändert. Die bekannten Bibelgeschichten von der Berufung der Jünger, des Weinwunders auf der Hochzeit von Kana, der Stillung des Seesturmes und des auf dem See wandelnden Jesus und die wunderbare Brotvermehrung werden aus dem Blickwinkel der beiden Jünger erzählt. Dadurch bekommen die Geschichten eine manchmal überraschende, teils heiter aber auch nachdenklich machende Dimension. In der unterschiedlichen Darstellung der beiden Charaktere des Andreas und des Petrus gelingt den beiden Schauspielern eine eindrückliche Annäherung in die Gefühlswelt und die Gedanken der Jünger Jesu. Das wird insbesondere in den Szenen der Passionsgeschichte, in der es um die Gefangennahme Jesu, um die Verleugnung durch Petrus und um die Verzweiflung der Jünger, die sich nach der Kreuzigung Jesu ängstlich in ihren Häusern verkriechen, für jeden im Kirchraum spürbar. Man fühlt mit den beiden mit, als sie versuchen, so langsam wieder in ihrem früheren Alltag als Fischer Boden unter die Füße zu bekommen. Alles also wieder sowie früher, als wäre nichts gewesen oder nur Erinnerung? Umso überraschender die Schlusswendung, als den beiden der auferstandene Jesus am See Tiberias begegnet und sie von einer österlichen Freude erfasst werden.
Das Stück wurde in den USA und Kanada bereits über 1000 Mal erfolgreich aufgeführt und von den beiden für den deutschsprachigen Raum übersetzt und inszeniert. Die Zuschauer in der Briloner Stadtkirche waren vom Spiel der beiden Protagonisten begeistert und von den Szenen des Stücks sehr berührt. „Ich war anfangs skeptisch, ob man so mit den biblischen Geschichten umgehen kann,“ so einer der Besucher. „Aber das Spiel hat mich sehr schnell gepackt und in seinen Bann gezogen.“ Rainer Müller