Meditativer Karfreitag in Gudenhagen

Rainer Müller und das Briloner Saxophon-Sextett am Karfreitag in Gudenhagen

Für Rainer Müller ist es schon Tradition. Für die Andacht zur Sterbestunde Jesu am Karfreitagnachmittag lädt er Musiker ins Albert-Schweitzer-Zentrum nach Gudenhagen ein und gestaltet mit ihnen musikalisch, mit Bildern und mit poetischen Gedanken einen Raum zum Nach-Denken und –Empfinden des Todes von Jesus.

Dieses Jahr war das Briloner Saxophon-Sextett zu Gast. Eine Frau und fünf Männer bereiteten einen Raum aus Klang, in dem die farbigen, abstrakten Bilder des von den Nazis vertriebenen und umgebrachten Malers Otto Freundlich wirken konnten. Rainer Müller hatte klare poetische Worte gefunden, mit denen er die sieben Worte Jesu am Kreuz einordnete, kommentierte, entfaltete und auf Musik und Bilder bezog.

Das Saxophon ist ein Blechinstrument. Das Mundstück jedoch enthält ein Holzplättchen wie eine Klarinette. So ist der Klang des Instrumentes geprägt von Holz und Metall. Wie der Tod Jesu. Nägel wurden bei der Kreuzigung ins Holz geschlagen.

Die Musik klagte, flüsterte, beschrie, was Jesus am Kreuz gerufen, versprochen und zugesagt hatte. Immer wieder beeindrucken diese sieben Worte Jesu, die in der Verzweiflung über die Gottesleere beginnen, die Durst und Leid ausdrücken, aber dann in Zuwendung, Trost und tiefes Vertrauen in Gott münden. Was für eine gedankliche und musikalische Folie, um auf ihr die Bilder eines Künstlers wahrzunehmen, der wie Jesus Jude war und zu Unrecht ermordet wurde. 
Kathrin Koppe-Bäumer