Verleih uns Frieden gnädiglich - Briloner Bläser interpretieren Luther-Choral mit Wirkungsgeschichte

Der Briloner Bläserkreis war vollständig erschienen, um Mitte März in der Stadtkirche einen besonderen Abendgottesdienst in der Passionszeit zu gestalten. Siegmar Paschkewitz, Chorleiter und Musiklehrer am Gymnasium Petrinum, wo der Chor zu Hause ist, hatte mit Pfarrerin Kathrin Koppe-Bäumer den Luther-Choral "Verleih uns Frieden gnädiglich" in die Mitte des Gottesdienstes gestellt.

Alte Vorspiele und solche, die in der Gegenwart entstanden sind, stellten die Musiker in Beziehung zum lateinischen Gebetsruf "Da Pacem, Domine". Luther war es wichtig, das Singen im Gottesdienst, das zuvor den Geistlichen vorbehalten war, auch der Gemeinde zu ermöglichen. Er schrieb selbst Melodien und übersetzte die Texte in die deutsche Sprache.

Das Lied "Verleih uns Frieden gnädiglich" hat er 1529 für seinen deutschen Gottesdienst angepasst. Zeitgleich mit der Belagerung Wiens durch das osmanische Heer. Luther hatte wie viele Zeitgenossen große Angst vor einer Invasion der "Türken", wie er die Osmanen nannte. Zunächst sah er es als Aufgabe des Kaisers und der Adligen an, mit ihren Soldaten die Gefahr abzuwehren. Alle anderen sollten für den Frieden beten und nicht kämpfen. Je öfter die Gefahr sich wiederholte, desto mehr verschärfte sich Luthers Feindschaft zu islamischen Menschen. Obwohl er nie einen getroffen hat, sah er in ihnen Feinde Gottes, die sich nicht zu Christus bekehren ließen. Deshalb forderte er ihre erbarmungslose Verfolgung.

Moderne Menschen lehnen diese Haltung ab, müssen jedoch bedenken, dass Luther als Kind seiner Zeit, der vor der Aufklärung lebte, sich Religionsfreiheit nicht vorstellen konnte. Für ihn gab es nur Gottesfreunde oder -feinde. Wer sich nicht an Christus hielt, bedrohte Gott.

Die Sorge um den Frieden teilen wir mit Luther. Seine tiefe Überzeugung, dass der Friede in der Welt im Frieden zwischen Gott und den Menschen ruht, kann uns heute noch helfen. Wer sich von Gott annehmen lässt, kann sich selbst und den Nächsten annehmen und braucht sich nicht bedroht zu fühlen.

Eindrucksvoll unterstrichen die Vorspiele, die Teil der Predigt waren, das Drängen und Hoffen auf Gottes Eingreifen. Im Abschlusschoral von Matthias Nagel kamen bittende und lobende Haltung gegenüber Gott im Nacheinander von Halleluja und Kyrie eleison zum Ausruck.

Die Gemeinde dankte Siegmar Paschkewitz und seinem Chor mit herzlichem Beifall. Pfarrerin Kathrin Koppe-Bäumer freute sich über die gelungene Kooperation zwischen Schule und Kirchengemeinde und sprach den Wunsch vieler aus, dass der Bläserkreis demnächst wieder im Gottesdienst auftreten solle.