canatmus führt eindrucksvolles Luther-Konzert auf

Erstellt am 27.10.2017

Musik als Gabe Gottes

Brilon. „Die Musik ist eine Gabe Gottes. Sie vertreibt auch den Teufel und macht die Leute fröhlich.“ Diese Worte Martin Luthers zogen sich wie ein roter Faden durch das Konzert des evangelischen Gemeindechores cantamus als Beitrag zum 500-jährigen Gedenken der Reformation. Gerhard Eberbach, der Leiter des Chores, hatte ein abwechslungsreiches und interessantes Programm zusammengestellt. Musikalisch begleitet wurde der Chor von Irmgard Müller, Oboe, und Sina Neumann, Fagott, sowie Kay Piepenbrink am Keybord und an der Orgel.

Mit einer fröhlichen Aufforderung „Singt dem Herrn alle Stimmen“ stimmte der Chor die Zuhörenden auf das Konzert ein. Der geistliche Charakter des Konzerts wurde verstärkt mit dem zweiten Lied, einer Bitte um Gottes Beistand, zum Ausdruck gebracht. Ein instrumentales Duett mit dem virtuosen Spiel von Oboe und Fagott, komponiert von W.A. Mozart, schloss die Einleitung des Konzertes ab.

Zu Beginn des Hauptteils erklang eine erklärende Dichtung des „Vater unser“ von Martin Luther. Seine Idee, dass die Inhalte des Evangeliums und seines neuen Glaubensverständnisses besser gelernt werden können, wenn man sie singt, hat er in mehreren Katechismusliedern umgesetzt. Anhand einer Messe von Johann W. Kalliwoda aus dem 19. Jahrhundert, gesungen in lateinischer Sprache, wurde deutlich, wie sich durch Martin Luther die Feier des Gottesdienstes veränderte. Liturgische Grundelemente , die zum Teil bis in die Anfänge der Kirche zurückführen, wurden beibehalten, ins Deutsche übersetzt oder mit neuen Melodien versehen, so dass die Gemeinde sich stärker mit ihrem Gesang im Gottesdienst beteiligen konnte. So gab Luther einen wichtigen Startimpuls für die später folgende intensive  Entwicklung der evangelischen Kirchenmusik

Von ganz anderem Klangcharakter war die Luther- Kantate von Karl W. Barthel und Thomas Frerichs, komponiert in heutiger Zeit. Über einer rhythmisch und instrumental anspruchsvollen Begleitung durch Oboe, Fagott und Keybord erklang der Chor mit eingängigen Melodiebögen und Refrains, die sofort ins Ohr gingen. Erzählt wurden einige Stationen aus Luthers Leben, von seiner Botschaft und der für Luther in einigen Bereichen unerwarteten Wirkung bezüglich des Freiheitsthemas. Den Abschluss bildete dann das Lied der Reformation, das Heinrich Heine einmal die Marseillaise des Protestantismus genannt hat. Martin Luther selbst hat sein Lied „Ein feste Burg ist unser Gott“ viel mehr als Trostlied in den persönlichen und gesellschaftlichen Auseinandersetzungen seiner Zeit verstanden. Im Wechsel mit der Gemeinde sang der Chor einen Melodiesatz aus dem 20. Jahrhundert und die Komposition eines Zeitgenossen Luthers.

Den Schluss des Konzertes bildete die nach wie voraktuelle Bitte um den Frieden. Luther selbst hatte einen alten klösterlichen Gesang aufgenommen und ins Deutsche übersetzt. „Verleih uns Frieden gnädiglich“. Mit einer Komposition aus dem 20. Jahrhundert von Hugo Distler und einer Komposition von Johann Hermann Schein aus dem Ende des 16. Jahrhunderts erklangen Luthers Worte noch einmal in zwei interessanten verschiedenen Klangfarben. Der stehende, lang anhaltende Applaus des Publikums war der verdiente Lohn für die intensive Probenarbeit und das gelungene Konzert. Die Freude darüber konnte man auch den Gesichtern der Chormitglieder ablesen.

Doch nach dem Konzert ist vor dem Konzert. Ab sofort bereitet sich der Chor auf sein traditionelles Adventskonzert am 3.Dezember mit Tee, Gebäck und der Einladung zum Mitsingen vor. Rainer Müller